Von der Wissenschaft werden Emotionen zumeist als die physiologischen und Verhaltens-Reaktionen auf einen äußeren Reiz und das Gefühl als das Bewusstwerden einer vorangegangenen Emotion beschrieben. Gefühle sind demnach also subjektiv wahrgenommene Erlebnisweisen von Emotionen. Was alles zu den Emotionen zu zählen ist, wird unterschiedlich klassifiziert. Hier werden 2 Klassifikationen exemplarisch genannt. Sylvan Tomkins (US-amerikanischer Philosoph und Psychologe) mit seinen acht elementaren Emotionen: Überraschung, Interesse, Freude, Wut, Furcht, Ekel, Scham, Angst und Paul Ekman (US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe) mit sechs: Überraschung, Glück, Zorn, Furcht, Ekel, Traurigkeit.

Die Neurowissenschaften belegen dass die Emotionalität ein wichtiger Faktor für einen selbst und auch im Umgang mit anderen ist. Nur wie besser damit umgehen?

Als erstes gilt es sich klar zu machen, dass wir neben unserem IQ (Intelligenzquotient) auch über einen EQ (Emotionaler Quotient) verfügen. Die gute Nachricht: Im Gegensatz zum IQ, kann der EQ trainiert werden.

Wie emotional wir reagieren und wie wir mit Emotionen umgehen, diese bewusst erleben und verarbeiten, hängt unter anderem von unserer Persönlichkeit, unserer Sozialisation und dem kulturellen Umfeld ab.
Hinzu kommt die Macht der Gewohnheit und dass sich unsere Gefühle häufig aufgrund unseres ständigen Denkens verselbstständigen. Dazu ein Beispiel: Lange Zeit rauchte ich und in stressigen Situation war ich es gewohnt mir so schnell wie möglich eine Zigarette anzustecken. Der Reiz war unbewusst die Angst nicht richtig zu reagieren, nicht der Verantwortung gerecht zu werden etc. Das Gefühl eine große Last zu tragen wurde automatisch besser, wenn ich dann eine Zig
arette rauchte.

Nun kam wie es kommen musste: Ich hörte auf zu rauchen und saß nach 7 Monaten der Abstinenz in einer Veranstaltung, die ich mit einer Kollegin organisiert hatte und konnte dem Treiben nur noch zuschauen. Wir saßen in der ersten Reihe mit den Obersten von Stadt und Landkreis und schauten zu in der Hoffnung es laufe wie geplant. Alles war auch gut, bis die Kollegin ihre Ohnmacht in Worte fasste, denn nur zuschauen war auch nicht ihr Ding und sagte: "Wenn ich nicht gleich eine rauche sterbe ich." JA, dachte ich, das ist es. Sofort muss eine Zigarette her. Das Gefühl, wenn ich nicht sofort diesem Drang nachgehe, drehe ich durch, war übermächtig. Doch dann viel mir ein, dass ich aufgehört hatte zu rauchen und so plötzlich wie dieses Gefühl kam, war es schon wieder vorbei. Dieses einschneidende, wenn sicher auch nur Sekunden dauernde Erlebnis machte mir bewusst, wie subjektiv Gefühle sind und wie schnell wir unseren Emotionen doch Raum geben.

Das ist nun fast 20 Jahre her. Seit dem, egal wie stressig es auch ist, habe ich nie wieder das Gefühl verspürt ich müsse unbedingt eine Rauchen, sonst ertrage ich die Situation nicht mehr. Reflektion ist also der zweite Schritt. Dann können wir uns weiterentwickeln und Muster aufbrechen. Wenn wir achtsam mit uns umgehen, hinterfragen wir unsere emotionalen Reaktionen. So bekommen wir auch unsere Gefühle besser in den Griff und reagieren nicht sondern agieren.

Brigitte und ich beobachten aber auch immer wieder 2 Dinge:

  • Manche meinen es sei wichtig Emotionen zu unterdrücken. Darum geht es aber nicht. Vielmehr ist zu hinterfragen weshalb in gewissen Situation, bei bestimmten Interaktionen mit Anderen Emotionen und Gefühle auftauchen, die eine konstruktive und resiliente Handlungsweise verhindern.
  • Andere wiederum meinen bei gewissen Personen/Situationen ihre Emotionen voll ausleben zu können, um diese Emotionen dann wieder in einem anderen Kontext zu unterdrücken. Hintergrund ist häufig der Optimierungsgedanke des zielstrebigen Vorankommens in hierarchischen Strukturen. Es geht uns in Training, Coaching und Beratung um eine ganzheitliche Herangehensweise. Authentizität, Kommunikation auf Augenhöhe unabhängig der Funktion im Betrieb ist uns ein Anliegen. Wer das nicht mag, bucht besser bei anderen ein Coaching ;-)

Autor: Petra Zander