Wow, was für Wochen. Corona hält alles in Atem und auch wieder nicht. Natürlich ist es nicht lustig, wenn plötzlich die Aufträge wegbrechen, ja man sogar gewungen ist den Betrieb/das Geschäft zu schließen. Unsere Tripps nach Italien können wir uns dieses Jahr komplett abschminken, so viel ist schon mal klar. Blöd gelaufen, aber es sitzen ja die meisten im gleichen Boot und sind ihrer wertschöpfenden Tätigkeiten beraubt. Das verbindet wieder und der Mensch braucht Bindung.

Es bleibt aber surreal solange man nicht selbst oder Bekannte und Verwandte erkrankt sind. Man sitzt daheim, kann Mitarbeitende zu 100 % in Kurzarbeit schicken, die Mieten aussetzen, keine Steuern mehr zahlen, bekommt Soforthilfe ohne großartiges Finanztamtam und kann Kredite beantragen.

Jetzt hockt, außer den systemrelevanten Betrieben, ganz Deutschland seit Wochen daheim und wir dürfen auch weiter zu weiten Teilen dem Nichtstun frönen, unproduktiv sein. Ein Dilemma für die Wirtschaft, allerdings auch eine Chance für den Einzelnen. Unser Konzept 'Andanto' steht für die Entschleunigung, dafür sich einmal gezielt Zeit für sich zu nehmen.

Es ist ein "Zurück zu den Wurzeln", ein "Erforschen des Selbst". Was wollen Sie und nicht Ihre Umgebung. Nicht selten wird unseren Teilnehmer*innen bewusst, dass sie eher im Außen agieren, als in sich hineinzuhorchen und zu schauen, was wirklich zufrieden macht. Die Lockdown Phase kann ja sowas von 'Andanto' sein!

Denn diese Phase des Ausgebremstseins kann Mann/Frau für sich nutzen. Natürlich ist die Kreativität gefragt, hat man die Verantwortung für ein Unternehmen, um mittels anderer Geschäftsmodelle, den Betrieb aufrecht erhalten zu können/dürfen. Aber die Entschleunigung kann auch dazu dienen sich selbst in seinem Wirken zu hinterfragen.

Manche machen das eher weniger und sehen per se vieles negativ. Ich nenne sie mal die 'Glas-halb-leer-Typen': "Heute war ich draußen und diese Ruhe ist gespenstisch. Es ist geradezu unheimlich.", wurde mir von einer Person gleich zu Beginn der Ausgangsbeschränkung berichtet. War ja klar, denn es wird auch sonst immer nur hervorgehoben was alles schlecht läuft und laufen kann. "Das wird noch schlimm enden." Hier ist ein Gefühl des freien Falls schon nach kurzer Zeit des Social Distancing zu beobachten. Und natürlich tragen die Umstände dazu bei und nicht das eigene Denken.

Andere wiederum lernen wieder mehr ihre Sinne in Gänze zu nutzen und heben positive Aspekte hervor. Sie ahnen es schon, es sind die 'Glas-halb-voll-Typen': "Die Ruhe ist so friedlich und wenn die Sonne strahlt und der Wind geht, kann man den Frühling riechen, fühlen...". Diese Personen besinnen sich auf das Wesentliche und können zudem Dankbarkeit empfinden für die Möglichkeit einmal innezuhalten und sich ganz auf sich zu besinnen. Sich Zeit für sich nehmen, die Sonne auf der Haut spüren, sich Zeit nehmen selbst zu kochen, neue Routinen entwickeln, die man auch nach der Phase weiterleben kann, ausgiebig zu schlafen, sich um andere zu kümmern, den Nachbarn wahrnehmen. Ja und plötzlich wird aus der freundlichen Begegnung mit der Kassiererin im Supermarkt Zufriedenheit geschöpft. Vor ein paar Wochen ist man einfach weitergehastet, um seine Liste abzuarbeiten, bevor man total erschöpft ins Bett gefallen ist.

Und Sie? Nutzen Sie diese Phase um ganz bewusst den Druck rauszunehmen? Schöpfen Sie Kraft und genießen z.B. lange Spaziergänge um der Natur zu lauschen? Konzentrieren Sie sich auf Ihre Gedanken und sortieren die kontraproduktiven aus? Wir wünschen es Ihnen, denn was kommt wissen wir nicht, aber den Augenblick können wir genießen.

Autor: Petra Zander