Besonders bei Führungskräften ist zu beobachten, dass immer noch mehr Leistung gezeigt wird. Die erzielten Erfolge scheinen nichts wert zu sein. Schnell wird erreichtes abgehakt, das besondere Talent nicht wertgeschätzt und zum neuen Ziel gehetzt.

Manche meinen, das habe etwas mit "Karrieregeilheit" zu tun. Dieses Phänomen ist jedoch allgemein bei sehr leistungsstarken Personen zu beobachten, wovon nicht jeder das Ziel hat die Hierarchieleiter hochzufallen. Eine studierte Fachkraft mit einzigartigem Expertenwissen kann genauso betroffen sein, wie der Perfektionist. Und nicht selten kann man dieses Phänomen bei Vorstandvorsitzenden und sehr erfolgreichen Führungskräften im oberen Management beobachten. Was treibt nun diese Personen, sind sie doch schon oben angekommen. Der Konkurrenzdruck?

Wir stellen immer wieder fest, dass Führungskräfte, die überdurchschnittliche Leistung erbringen, fachlich absolut versiert sind und zudem ihren Mitarbeitenden jederzeit versuchen gerecht zu werden, von Versagensängsten geplagt werden. Die eigene Höchstleistung wird als Minderleistung bewertet. Während bei Anderen durchaus eine sachlich folgerichtige Bewertung der Leistung erfolgt, können Betroffene die eigene Leistung nicht korrekt einordnen. Es treibt sie die Angst als Hochstapler entlarvt zu werden. Der Erfolg wird Glück und Zufall zugesprochen und nicht der eigenen Leistung. Manche sind Naturtalente und können die eigene Leistung deswegen nicht wertschätzen, weil sie sehen wie Andere sich im Gegensatz zu ihnen abrackern.

Hochstapler- oder auch (englisch) Impostor-Syndrom nennt man dieses Phänomen, das -so die Psychologen- zum einen auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie ein hohes Sicherheitsbedürfnis oder auch Perfektionismus zurückzuführen ist. Eine wesentlichere Rolle spielt allerdings die Sozialisation, also in welcher Umgebung wuchs man auf. Wurde man von den Eltern/Erziehungsberechtigten ständig mit anderen verglichen oder ständig kritisiert/nur gelobt oder wurde die Liebe immer an Bedingungen geknüpft, z.B. "Wir sind nur stolz auf dich, wenn du der Klassenbeste wirst."? Die Folge ist i.d.R. ein schwaches Selbstvertrauen und leistet dem hier beschriebenen Selbstkonzept Vorschub.

Um aus dieser Selbstzerfleischung herauszukommen, dieses Verhalten abzulegen, ist es wichtig die Anforderungen anzupassen. Dazu ist es als erstes erforderlich, offen über sein Selbstkonzept zu sprechen und zweitens den Wahrnehmungsverzerrungen auf den Grund zu gehen. So kann langfristig die Messlatte kürzer werden, angelegt an realistische Anforderungen. Ein Coaching kann hier hilfreich sein.

Sie fühlen sich selbst betroffen und wollen es allein probieren? Hier ein Tipp:
Fangen Sie an Tagebuch zu schreiben. Was schaffen Sie alles und welches Talent trägt dazu bei, dass Erfolge wiederholbar sind? Ein kontinuierlich geführtes Tagebuch visualisiert Ihr Können und zeigt auch die stetige Leistung. So können Sie recht schnell erkennen, dass die Kollegen 'Zufall' und 'Glück' keineswegs ihre Finger im Spiel haben.

 

 

Autor: Petra Zander